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Dusslige Dämonen

(als Horacio Stamford)

Ausgabe #02 der Aether Gazette Heftromanserie

Heftroman
Erschienen 27. Januar 2020
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 52
Erhältlich als eBook & Print-Ausgabe

Kurzbeschreibung:

Dämonenfürst Astarot sendet seine Untergebenen aus, um Chaos und Schrecken unter den Menschen zu verbreiten. Leider waren die besten und auch die zweitbesten bereits mit Aufträgen versorgt und so muss er die letzen vorhandenen Dämonen ausschicken. Und diese stellen sich alles andere als geschickt an.

Leseprobe

Es blubberte, zischte und kochte. Die Hölle wurde geheizt und alle Helfer, Diener und Sklaven hatten enorm zu tun.

Fürst Astaroth saß in seinem Lehnsessel, den er, sehr günstig, auf einem Trödelmarkt in der Menschenwelt erstanden hatte. Sein Thron stand, mit Spinnweben verziert, nutzlos in der Ecke.

Astaroth hatte dieses sperrige Ding noch nie ausstehen können. Er war aus Menschenknochen gebaut und noch dazu unbequem. Überall standen Knochensplitter hervor und piksten ihm ins Kreuz, wenn er darauf saß.

Wie sollte ein Mensch, Verzeihung, ein Dämon denn so seine Amtsgeschäfte führen? Man war doch ständig abgelenkt und durch die dauernden Versuche, sich wenigstens für ein paar Minuten bequem setzen zu können, vergaß man, was man eigentlich tun wollte. Zumindest war das bei ihm so.

Nein, das war nichts für den Herrscher des ihm zugewiesenen Abschnitts der Hölle seiner dunklen Majestät, des Teufels.

Und da das Materialbeschaffungslager ihm, wegen einer Order Luzifers, keine neue Sitzgelegenheit herausgeben wollte, hatte Astaroth die Sache selbst in die Hand genommen.

Es gab wirklich schöne Sessel in der Menschenwelt. In Schweden war er dann fündig geworden. Aber leider lieferte das Möbelhaus nicht in die Hölle und so war er, natürlich Inkognito, auf verschiedenste Trödelmärkte gezogen.

Die beiden Diener, die ihm den Sessel dann auf Schleichwegen in die Hölle geschleppt hatten, musste er allerdings zu seinem Bedauern beseitigen. Zu groß war die Gefahr gewesen, dass die beiden etwas ausplauderten. Der Sessel war es aber allemal wert.

Groß war er nicht, aber er besaß weiche Polster. Wenn man sich hineinsetzte, hatte man das Gefühl, in ihm zu versinken.

Gut, an einigen Stellen war das alte Leder aufgeplatzt, aber Apollonia hatte sich Nadel und Faden geschnappt und die Löcher geflickt. Zu was Menschenhaare nicht alles gut sein konnten.

Risse hatte sie großzügig mit Leim und Blutegelsekreten überzogen. Damit waren diese nicht mehr zu sehen.

Die Farbe gefiel dem Fürsten am Anfang nicht so, denn der Sessel war grün. Kein einladendes Grasgrün, sondern eher ein ausgeblichenes Brokkoligrün. Aber auch hier konnte Apollonia aushelfen:

»Ein oder zwei Menschenopfer, Herr, dann ist der ganz rot, ihr werdet sehen.«, hatte sie gesagt und tatsächlich, er erstrahlte nun in schönstem Blutrot.

Den Sessel aus dem Saal zu tragen und irgendwo zu verstecken, wenn der Herr der Hölle sich zu einem Besuch angemeldet hatte, machte immer einen Umstand.

Fürst Astaroth wusste, dass sein Chef sehr viel Wert auf Etikette und Tradition legte. Also musste der Sessel raus und der Thron wieder her. Zum Glück kamen diese Besuche nicht oft vor.

Der Fürst saß also in seinem Ohrensessel, hatte die Beine auf den Schreibtisch gelegt und las in einem neuen Buch: »Splitter« stand auf dem Einband.

Er hatte es zufällig entdeckt, als er in den weiten Weltseiten unterwegs war. Die Autorin war eine Amtsbedienstete der Menschenwelt. Wenn man es genau nahm, war sie sogar eine Amtsleiterin.

Ihm hatte der Titel gefallen, denn wie oft splitterten hier bei ihm in der Hölle Knochen und Gebeine. Das konnte ja nur ein gutes Buch sein.

Doch gerade, als es spannend wurde, sprang die Tür seines Amtszimmers krachend auf und Apollonia trat ein.

»Herr,« rief sie, »Herr … Wisst ihr, was für ein Tag heute ist?«

Astaroth kniff die Augen zusammen, legte den Kopf schief und schaute seine Dienerin an. Er antwortete, betont langsam, mit einer Gegenfrage: »Was meinst du?«

Apollonia näherte sich dem Tisch und damit auch ihrem Herrn und Meister. Aufgeregt fragte sie noch einmal: »Herr, wisst ihr, was für ein Tag heute ist?«

Der Herr des ihm zugewiesenen Abschnitts der Hölle seiner dunklen Majestät, des Teufels, antwortete erneut mit einer Gegenfrage: »Was meinst du damit?«

Apollonia sah den Fürsten an. Der Fürst sah Apollonia an.

Minutenlang standen beziehungsweise saßen sie so da und starrten sich an.

Die Dienerin machte keine Anstalten, ihre Frage zu wiederholen, war aber auch nicht im Begriff, zu antworten.

Apollonia sah den Fürsten an. Der Fürst sah Apollonia an.

Und schließlich platzte ihm der Kragen. Mürrisch herrschte er sie an: »Herrgott nochmal. Was ist denn heute für ein Tag?«

Apollonia wurde aus ihrer Starre gerissen. Dann öffnete sie den Mund und fragte: »Hat der Herr gerade unseren Erzfeind erwähnt?«

Verwirrt antwortete Astaroth nur: »Was?«

»Ich habe es genau gehört. Ihr habt den Namen des Unaussprechlichen in den Mund genommen. Ihr habt ihn ausgesprochen, obwohl ihr das nicht sollt.«

Jetzt verstand der Fürst. Und er erinnerte sich an eine Anweisung, die Luzifer vor vielen Jahrtausenden einmal ausgegeben hatte. Sie lautete:

»In dieser Hölle wird der Name meines Papas nicht mehr erwähnt. Punkt.«

Damals war Satan noch nicht der gewandte Rhetoriker von heute gewesen und seine Anweisungen waren, wie soll man es am besten beschreiben, frei nach Schnauze gesprochen.

Astaroth sammelte sich und sagte dann: »Apollonia. Das war ein Fluch. Und in Flüchen darf man den Namen aussprechen.«

Die Dämonin sah ihn an, legte den Kopf schief und fragte zaghaft: »Seid ihr da ganz sicher, Herr?«

»Ja, absolut.« Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu: »Zu 90 Prozent.«

Denn ganz so sicher war er sich nämlich nicht. Der Herr der Hölle war ab und an etwas launisch und Anweisungen konnten sich von heut auf morgen ändern.

Und nicht immer wurden diese Änderungen auch bekannt gegeben. Manchmal merkte man das erst bei einer der nächsten Enthauptungen.

Er erinnerte sich an einen Verbündeten von ihm, Lord Malchius. Dieser hatte sich immer an die Gebote Luzifers gehalten. Penibel sogar. Doch eines schönen Tages wurde er vom schwarzen Henker seines Kopfes entledigt.

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