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Mein Beitrag für den Autoren-Adventskalender Osterspecial 2023

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Sammy & Joe und das Ei des Pharaos

 

Die Sonne brannte vom Himmel herab und Sammy, das Stinktier, sah besorgt zu seinem Freund hinüber.

    Joe, der Koalabär mit dem großen Hut, war in eine Karte vertieft, die er genau studierte.

    »Joe«, sagte Sammy, »es ist furchtbar heiß hier, findest du nicht?«

    Der Koala erwiderte nur: »Ja, ja.«

    »Haben wir noch etwas zu trinken?«, fragte Sammy nach.

    »In der Feldflasche«, antwortete Joe geistesabwesend.

    Sammy setzte den Rucksack ab, den er auf dem Rücken trug und griff nach der Flasche. Er schüttelte sie und schraubte dann den Deckel ab. »Viel ist da nicht mehr drin.«

    Jetzt sah Joe auf und seinen Freund an. Er kratzte sich am Kopf und meinte: »Naja, wir sind ja auch schon eine Weile hier.«

    »Wo ist eigentlich hier?«, fragte Sammy, setzte die Flasche an und nahm einen kleinen Schluck Wasser zu sich.

    »Das versuche ich ja gerade herauszufinden«, gab ihm Joe zur Antwort und griff nach der Flasche, die ihm Sammy hinhielt. Auch er nahm einen kleinen Schluck.

    »Hier ist nichts außer Sand.«

    »Wir sind ja auch mitten in der Wüste. Und Wüsten haben es nun einmal so an sich, dass dort viel Sand herumliegt.«

    »Wären wir mal lieber in Australien geblieben«, sagte Sammy und ließ sich in den Sand plumpsen. Doch nur einen Augenblick später sprang er wieder auf und rief: »Aua! Der Sand ist viel zu heiß zum Sitzen.«

    Joe holte einen Kompass aus seiner Jackentasche, öffnete ihn und drehte sich dabei herum.

    »Nach der Karte sollte es nicht mehr weit sein.«

    »Wie kannst du dich nur zurechtfinden?«, wollte Sammy wissen. »Hier ist nichts als Sand und kein Anhaltspunkt, wo wir sein könnten. Ich glaube, wir haben uns verlaufen.«

    Der Koala schüttelte den Kopf und erklärte: »Ich habe auf der Karte genau nachgezeichnet, wo wir herkamen und wo wir hinmüssen. Hier, dieses Kreuz hier, zeigt genau, wo der Tempel sein muss.«

    Er tippte mit dem Finger auf eine Stelle der Karte und hielt es Sammy vor die Nase.

    »Wir sind auf dem richtigen Weg. Und auch der Kompass sagt, dass wir richtig gehen.«

    »Aber Joe«, meinte das Stinktier, »was, wenn sich der Igel geirrt hat? Oder die Karte gar nicht von seinem Opa ist, wie er sagte?«

    Der Koala lachte. »Haha, Sammy. Der Igel war sehr vertrauensvoll. Ich glaube ihm.«

    »Also ganz ehrlich, Joe. Wir wollten eigentlich nur Ostereier suchen. Dass wir dazu in die Wüste müssen, das hat uns keiner gesagt.«

    »Die sind halt sehr gut versteckt«, antwortete der Koalabär.

    »Meine Mama hat die Eier einfach nur im Garten versteckt. Da musste man nicht so weit laufen. Und es war auch nicht so heiß«, maulte Sammy.

    »Wir sind doch tolle Abenteurer, oder?«, fragte Joe.

    »Ja, natürlich sind wir das.«

    »Und wir haben auch den Weg nach Australien gefunden, oder nicht?«

    »Ja, Joe, das haben wir. Aber da hatten wir ja auch Hilfe.«

    Joe zog eine Augenbraue hoch und sah seinen Freund an. Dann sagte er: »Wir hätten Australien auch ohne Hilfe gefunden. Und jetzt finden wir auch das Ei das Pharao.«

    »Wie weit ist es denn noch?«, wollte Sammy wissen.

    »Öhm …«, erwiderte der Koala und sah wieder auf die Karte.

    Sammy wartete eine kurze Weile ab. Als Joe aber keine Anstalten machte, auf seine Frage zu antworten, tippte er ihn in die Seite und fragte erneut: »Wie weit?«

    Joe kniff die Augen zusammen und antwortete: »Naja … nicht mehr weit.«

    »Du bist sicher, dass wir uns nicht verlaufen haben?«

    »Ganz sicher. Wir müssen nach Norden, da ist das X.«

    Sammy seufzte und sah sich wieder um. Doch wohin er auch blickte, er sah nichts als Sand.

    Aber halt! Da, am Horizont, da war etwas. War das eine Staubwolke? Er tippte seinen Freund an.

    »Du, Joe, da hinten ist was.«

    »Hinten?«, fragte der Koala verwirrt.

    »Naja, oder vorne oder an der Seite. Dass kann ich nicht so genau sagen. Hier ist ja nur Sand. Ich weiß nicht, wo vorn und hinten ist«, antwortete das Stinktier.

    Joe drehte sich um und holte das Fernglas hervor. Dann sah er hindurch.

    »Du hast recht, Sammy. Das ist eine Staubwolke. Da kommt etwas auf uns zu.«

    Sammy bekam plötzlich Angst. »Vielleicht sind das Räuber?«

    »Nein«, antwortete der Koala, »das ist ein Kamel.«

    »Ein Kamel?«, fragte Sammy ungläubig nach.

    »Ja, ein Kamel. Das kommt auf uns zu.«

    »Vielleicht können wir das nach dem Weg fragen?«, meinte Sammy.

    »Das können wir natürlich tun. Wenn du kein Vertrauen in mich hast?«, erwiderte der Koala schmollend.

    »Es ist doch gut, wenn wir jemanden fragen können, der sich hier auskennt«, antwortete Sammy. »Und Kamele kennen sich in der Wüste richtig gut aus.«

    »Natürlich, deswegen sind sie ja Kamele … ich meine … du weißt schon, was ich meine.«

    Das Kamel war inzwischen näher gekommen und nun auch ohne Fernglas zu erkennen.

    »Du, guck mal,« sagte Sammy, »es winkt.«

    »Dann wollen wir nicht unhöflich sein und zurückwinken«, antwortete Joe und die beiden winkten dem herannahenden Kamel zu.

    »Hallo!«, hörten sie eine weibliche Stimme rufen.

    »Das ist ein Mädchen«, stellte Sammy fest.

    »Das hast du richtig erkannt, Sammy.«

    Jetzt war das Kamel ganz nah gekommen und hielt bei den beiden an.

    »Hallo. Ich bin Nancy. Habt ihr euch verlaufen?«, fragte es freundlich.

    »Das habe ich Joe auch schon gefragt, aber er meint nein«, antwortete Sammy und Joe sah ihn mit einem schiefen Blick an.

    »Wir haben uns auch nicht verlaufen, wir haben eine Karte«, erwiderte der Koala und fügte dann hinzu: »Ich bin Joe und das ist Sammy.«

    »Wo wollt ihr denn hin?«, fragte Nancy.

    »Zum Ostertempel«, gab das Stinktier zur Antwort.

    »Oh!«, sagte sie und zog die Augenbrauen hoch. »Zum alten Ostertempel? Na, da seid ihr hier aber falsch.«

    Sammy stampfte mit dem Fuß auf. »Siehst du, Joe? Ich habe doch gewusst, dass wir uns verlaufen haben.«

    Der Koala murmelte: »Ich habe doch einen Kompass.«

    »Ja, aber der funktioniert hier nicht richtig. Habt ihr denn die Magnetsteine nicht gesehen?«

    »Welche Magnetsteine?«, fragte Sammy nach und sah sich um. »Ich sehe hier keine Steine.«

    »Die sind ganz leicht zu sehen, wenn man sich etwas auskennt. Hier liegt zum Beispiel einer.« Nancy zeigte auf einen, aus dem Sand herausragenden, schwarzen Stein.

    »Das ist ein Magnetstein?«, fragte Sammy und hob ihn auf.

    »Genau«, antwortete sie.

    »Die haben wir echt nicht gesehen«, antwortete Sammy.

    »Die Steine sorgen halt leider dafür, dass ein Kompass nicht mehr richtig funktioniert«, erklärte das Kamelmädchen.

    »Wusstest du das?«, fragte Sammy seinen Freund. Der murmelte nur: »Ich bin kein Experte für Magnetsteine.«

    »Ich kann euch zu dem Tempel bringen«, schlug Nancy vor und Sammys Augen begannen zu leuchten.

    »Das wäre toll«, rief er erfreut aus.

    »Setzt euch auf meinen Rücken«, sagte Nancy und ging in die Knie, damit die beiden aufsteigen konnten.

    »Seid ihr schon mal auf einem Kamel geritten?«, fragte Nancy und richtete sich wieder auf.

    »Nein,« antwortete das Stinktier, »aber auf einem Pferd. Das ist aber eine lange Geschichte.«

    »Die müsst ihr mir mal erzählen«, meinte Nancy und preschte los.

    »Was machst du denn in der Wüste?«, fragte Sammy.

    »Ich bin hier oft, wenn ich nachdenken möchte. Dann reite ich einfach so vor mich hin. Aber als ich euch hier so stehen sah, da dachte ich mir, ich frage mal nach, ob ihr vielleicht Hilfe braucht.«

    »Das war gut. Joe hat zwar einen Kompass, aber wenn der nicht richtig funktioniert wegen der Magnetsteine, dann …«

    Joe unterbrach ihn: »Ja, schon gut. Wir müssen das nicht wiederholen.«

    »Ihr seid nicht die Ersten, denen das passiert. Ich lebe hier ja schon viele Jahre, da kenne ich mich natürlich gut aus«, schaltete sich Nancy ein.

    »Wir haben es immerhin geschafft, fast ganz allein nach Australien zu kommen«, sagte Sammy stolz.

    »Und warum seid ihr in die Wüste gelaufen?«

    Sammy war nun nicht mehr zu bremsen und ganz ausführlich erklärte er Nancy, wie ihnen ein Igel erzählt hatte, dass es in dort einen Tempel geben sollte, in dem das Ei eines Pharao zu finden sei. Und wie er ihnen eine Karte gegeben hatte, auf der ein großes X eingezeichnet war. Und dass sie sich gleich aufgemacht hätten, dieses Ei zu finden.

    Nancy war bei der Erzählung des Stinktiers immer fröhlicher geworden und kicherte auch das ein oder andere Mal.

    Sammy war sehr verdutzt und fragte schließlich: »Warum findest du das denn so lustig, Nancy?«

    »Ihr werdet schon sehen«, gab sie zur Antwort und kicherte wieder. »Wir sind auch gleich beim Tempel. Nur noch über diese Düne da, dann könnt ihr ihn sehen.«

    Und tatsächlich: Kaum waren sie über die Düne geritten, da sahen sie einen Tempel. Und sie sahen noch mehr, nämlich viele Zelte, andere Kamele und ganz viele Tiere.

    Erstaunt sagte Joe: »Hier ist ja ne Menge los. Ich dachte, der Tempel ist verschollen?«

    »Naja, verschollen würde ich nicht sagen. Ich glaube, der Igel hat euch verulkt.«

    »Verulkt?«, fragte der Koala verwirrt nach.

    »Hat euch das nicht gewundert, dass es in der australischen Wüste einen Pharao geben sollte?«

    »Gibt es nicht immer einen Pharao in der Wüste?«, fragte Sammy und sah seinen Freund an. »Joe?«

    Der Koala murmelte etwas, was aber keiner verstehen konnte. Ab und zu waren die Worte »Öhm« und »Äh« zu verstehen.

    »Die Pharaos gibt es in Ägypten, aber nicht in Australien«, kicherte Nancy und kam zum Halt.

    »So, absteigen bitte. Und willkommen zur jährlichen Ostereiersuche.«

    »Ostereiersuche?«, fragten Sammy und Joe gleichzeitig.

    »Ja genau«, antwortete Nancy. »Der Igel, der euch die Karte gegeben hat, heißt Herr Farao. Und der veranstaltet jedes Jahr eine Ostereiersuche in diesem alten Tempel.«

    »Ach«, erwiderte Sammy. »Da hast du dich wahrscheinlich verhört, Joe.«

    »Nein, nein. Ich wollte es nur … ein bisschen aufregender machen«, antwortete der Koala und lief dabei rot an.

    Nancy zwinkerte ihm zu und meinte: »Na los, ihr zwei, auf zur Suche.«

    Und so machten sich die beiden Freunde, mit den vielen anderen Tieren, auf die Suche nach dem Ei des Farao. Natürlich fanden sie auch eines. Und auch die anderen fanden eins, weil Herr Farao nämlich jedem eine andere Karte gegeben und für jeden ein Ei an einer anderen Stelle versteckt hatte.

    Joe hatte sich heimlich vorgenommen, von nun an besser zuzuhören. Das verriet er seinem Freund aber nicht.

Ende

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