Mein Beitrag zum Autoren-Adventskalender 2026
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Kapitänin Knarzia öffnete schlaftrunken die Augen und blinzelte. Irgendetwas war an diesem Morgen anders als sonst. Sie wusste nicht genau, was, aber etwas war anders. Da war sich die Kapitänin ganz sicher.
Und sofort kam ihr ein Verdacht.
Fizzle und Mumpitz!
Natürlich!
Die Zwei mussten wieder etwas ausgefressen haben. Wer sonst? Kein einziger Bunnie hatte sich jemals so benommen … was heißt benommen? Genau das hatten sie ja nicht. Daneben benommen. Ja, das traf es viel besser.
Auf einmal war sie hellwach. Sie sprang aus dem Bett, setzte ihre Kapitänsmütze auf und wollte gerade aus ihrer Kammer stürmen … da fiel ihr, gerade noch rechtzeitig, auf, dass sie ja noch im Nachthemd war.
Also zog sie ihre Uniform und die schweren Stiefel an, rückte ihre Mütze zurecht und stürmte durch die Tür, die Treppen herunter und stand schließlich auf der Straße.
Gehetzt drehte sie ihren Kopf nach links und rechts, zur Sicherheit auch noch oben und unten und … nichts. Es sah alles friedlich aus.
Aber sie wusste, dass das trügen konnte. Also hastete sie die Straßen entlang, auf der Suche nach den beiden Bunnies. Und sie fand sie auch. Allerdings anders, als sie erwartet hatte.
Überrascht zog Knarzia die Augenbrauen hoch. Ja, Latzanzug und Zylinder … Fizzle. Und neben ihm, mit Melone auf dem Kopf, der Brille auf der Nase, in Hemd und Weste … Mumpitz.
Aber die beiden taten etwas, was sie nie erwartet hatte. Sie fegten den Weg. Mit Besen und Handfeger.
Vielleicht träumte sie ja noch und lag einfach friedlich schlummernd in ihrem Bett?
Nun, das ließ sich schnell herausfinden. Es gab da einen Trick, der wirkte immer: Kneifen. Sie musste sich einfach kneifen und dann würde sich zeigen, ob sie wirklich wach war.
Und das tat sie auch. Allerdings blieb die Wirkung aus, denn die Kapitänin hatte in ihrer Überraschung einfach vergessen, dass sie unter dem Fell aus Kupfer bestand. Da konnte sie sich kneifen wie sie wollte.
Kurz dachte sie über die Sinnlosigkeit ihrer Bemühungen nach, dann wischte sie die Gedanken einfach beiseite. Entschlossen trat sie auf die Beiden zu und sagte laut: »Fizzle! Mumpitz! Was hat das zu bedeuten?«
Die zwei Bunnies sahen die Kapitänin erstaunt an.
»Was meinst du damit?«, fragte Fizzle.
»Wir kehren die Straße«, fügte Mumpitz hinzu.
»Das macht ihr doch nicht freiwillig«, sagte Knarzia, da erklang die Stimme von Madame Mampf.
»Das stimmt, Knarzia. Freiwillig würden die Zwei das sicher nicht machen. Deshalb bin ich ja da.«
»Guten Morgen, Madame Mampf«, sagte Knarzia und tippte sich an ihre Mütze. »Was haben die Beiden ausgefressen?«
»Ausgefressen? Gar nichts, Ehrenwort!«, mischte sich Fizzle beleidigt ein.
»Immer sollen wir was gemacht haben«, stimmte ihm Mumpitz zu. »Als wenn wir ständig …«
»Ja, das tut ihr ja auch ständig!«, unterbrach die Kapitänin und blickte sie streng an.
»Ach«, wiegelte Madame Mampf lächelnd ab. »Diesmal ist es wirklich kaum der Rede Wert.«
»Können wir also aufhören?«, fragte Fizzle erleichtert.
»Nein!« Madame Mampfs Antwort war kurz und knapp. Fizzle setzte sofort ein enttäuschtes Gesicht auf und fegte weiter.
»Ich würde trotzdem gern erfahren, was die Zwei nun wieder angestellt haben.«
»Ich habe sie auf frischer Tat ertappt, wie sie sich zwei Zuckermöhren stibitzen wollten.«
»Stibitzen ist …«, begann Fizzle.
»… nicht das richtige …«, wollte ihm Mumpitz zu Hilfe kommen.
Doch Madame Mampf blickt sie nur kurz an und zog dabei eine Augenbraue hoch. »Sollte ich lieber klauen sagen?«, fragte sie fast beiläufig.
Als Antwort bekam sie ein leises Murmeln.
»Wolltet ihr etwas sagen?«, fragte die Köchin, wobei ihre Stimme einen leicht flötenden Ton angenommen hatte.
»Nein, Madame Mampf«, sagten die Bunnies wie aus einem Mund und wendeten sich wieder dem Fegen zu.
Die Köchin nickte kurz und zwinkerte dann Kapitänin Knarzia verschwörerisch zu. Sie beugte sich an ihr Ohr und flüsterte: »Ich hatte ein kleines Glöckchen an die Möhren gebunden. Und als es klingelte, versuchte sich Fizzle in den Mehltopf zu werden und Mumpitz … der hatte sich einen Lampenschirm aufgesetzt.«
»Ich wäre eine sehr gute Stehlampe gewesen!«, rief dieser empört aus.
»Wärst du nicht, du hast nämlich eins vergessen, Mumpitz«, erwiderte sein Freund.
»Ach ja? Was denn?«
»Lampen leuchten und du warst noch nie eine große Leuchte.«
Madame Mampf und Kapitänin Knarzia wurde nun unfreiwillig Zeuge, dass Besen und Handfeger auch als Waffen missbraucht werden können, als die Beiden im Nu in eine handfeste Prügelei verwickelt waren.
»Ja ist es denn die Möglichkeit?«
»Unfassbar«, stimmte Knarzia der Köchin zu und sprach sofort ein Machtwort: »Auseinander! Sofort!«
Sofort standen die Bunnies stramm. Fizzle hatte zwar seinen Finger in Mumpitz Ohr und dieser zog noch an Fizzles Nase, aber man konnte nicht alles haben.
»Loslassen!«, kam der neue Befehl Knarzias. »Und weiterfegen. Los, los.«
Wusch, wisch, wusch, erklang es nur eine Sekunde später, als Besen und Handfeger über die Straße geschwungen wurden.
»Aber Kapitänin, da sie gerade da sind … warum sind sie überhaupt hier?«
Knarzia sah die Köchin an und überlegte. Ja, warum war sie eigentlich hier? Dann fiel es ihr wieder ein und sie antwortete: »Ja, ich weiß auch nicht so genau, aber als ich vorhin erwachte, da hatte ich so ein seltsames Gefühl. Als wenn etwas geschehen war … oder geschehen würde. Und da habe ich natürlich sofort an Fizzle und Mumpitz gedacht.«
»Wir sind doch nicht für alles verantwortlich!«, erklang Fizzles empörte Stimme.
»Aber für sehr vieles«, korrigierte Mumpitz seinen Freund, der die Augen verdrehte.
»Fall mir doch nicht in den Rücken, du Knalltüte.«
»Weiterfegen«, sagte Madame Mampf schnell, als sie bemerkte, dass die Zwei schon wieder Besen und Handfeger erhoben hatten.
Wusch, wisch, wusch.
»Nun, zu ihrem Gefühl, Kapitänin Knarzia. So etwas ähnliches hatte ich auch heute Morgen. Ich konnte es mir auch nicht erklären. Ich hatte nur auf einmal das Gefühl, als müsse ich dringend Zuckermöhren backen.«
»Sehr merkwürdig«, erwiderte die Kapitänin und kratzte sich am Kinn.
Genau in diesen Moment trat Dampfpfötchen aus einem Haus heraus auf die Straße und war gerade im Begriff, seinen Propeller, den er auf dem Rücken trug, anzuwerfen, als er die Vier entdeckte.
»Guten Morgen, Kapitänin. Guten Morgen, Madame Mampf. Guten Morgen, Fizzle. Guten Morgen, Mumpitz«, sagte er fröhlich.
Fizzle und Mumpitz wedelten mit Besen und Handfeger zurück. Kurz danach standen die Beiden in einer Staubwolke da.
Kapitänin Knarzia und Madame Mampf grüßten zurück.
»Ist das nicht ein herrlicher Morgen?«, fragte Dampfpfötchen. »Ich könnte die ganze Zeit singen. Ich habe nämlich eine Melodie im Kopf, die geht mir gar nicht mehr aus dem Kopf. Wollt ihr sie mal hören?«
Knarzia öffnete gerade den Mund zu einer Antwort, da legte Dampfpfötchen auch schon stimmgewaltig los:
»Jingle Belles, Jingle Bells, Jingle all the world! Ich habe keine Ahnung, was das heißt, aber ich finde es so schön. Oh, hallo Tüftel! Einen schönen guten Morgen!«
Alle drehten ihren Kopf, als der Erfinder Dampfholms um die Ecke trat und eine lange Schnur hinter sich herzog. Eine wirklich sehr lange Schnur.
»Guten Morgen«, grüßte er freundlich.
»Guten Morgen«, erwiderte Knarzia seinen Gruß. »Was … hast du denn da?«
»Wo?«
»Hinter dir?«
»Hinter mir? Was?«
Knarzia schlug kurz die Augen zu und zählte innerlich bis drei. Dies tat sie oft, wenn sie ihre Gedanken ordnen musste. Oder sich einfach nur beruhigen wollte. Dann sagte sie beherrscht: »Tüftel. Du zieht da eine Schnur hinter dir her. Was ist das?«
Und jetzt begriff der Erfinder. »Ah, das meinst du, ich hatte heute Morgen einen Einfall. Der kam einfach so. Und ich wollte diesen nicht wieder vergessen. Deshalb habe ich es gleich erfunden.«
»Und das ist die Schnur?«, fragte Fizzle, der eine Pause vom Fegen eingelegt hatte und sich auf seinen Besen lehnte.
»Aber nicht doch, das ist doch keine Schnur.«
»Sie sieht aber wie eine aus«, mischte sich Mumpitz ein und versuchte, sich lässig auf seinen Handfeger zu lehnen.
»Mumpitz, steh auf. Man kann sich nicht auf einen Handfeger lehnen«, erklärte ihm Fizzle.
»Wenn ich acht übereinanderstapel, dann schon.«
»Du hast aber keine Acht. Also lass den Quatsch.«
»Und wehe, ihr prügelt euch jetzt!«, mischte sich nun Kapitänin Knarzia ein.
»Was ist denn das nun, wenn es keine Schnur ist?«, fragte Madame Mampf.
»Ich nenne es eine Firlande«, antwortete Tüftel stolz.
Ratlos sahen sich die anderen Bunnies an, bis Kapitänin Knarzia wieder das Wort ergriff: »Und was ist eine Firlande?«
»Na das da!«, entgegnete Tüftel und zeigte mit dem Finger darauf.
Knarzia schloss wieder einmal die Augen. »Ja, das sehen wir. WAS ist es? Was tut es?«
»Achso. Ja, das leuchtet.«
Keiner der anderen Bunnies sagte ein Wort. Sie alle starrten den Erfinder unschlüssig an.
»Ich muss noch ein paar Meter gehen, dann kann ich es auch zeigen«, sagte Tüftel.
»Ich könnte dir helfen«, schlug Dampfpfötchen vor. »Du bleibst hier stehen und ich hole den Rest.«
Und noch bevor Tüftel antworten konnte, erhob sich der kleine Bunny vom Boden und sauste mit seinem Propeller um die Ecke. Kurz darauf erschien er wieder, mit dem Rest der Firlande in der Hand und schwebte die Straße entlang. Bis es nicht mehr weiterging und die Firlande straff gespannt war.
»Danke, Dampfpfötchen«, sagte Tüftel, als der Kleine wieder zurückgeschwebt war.
»So, und nun zeige ich euch, was die Firlande kann. Ich muss sie nur einschalten.«
Ohne, dass es Knarzia bemerkte, hatten sich Fizzel und Mumpitz hinter die Kapitänin gestellt. Denn mehr als einmal war es in der Vergangenheit schon vorgekommen, dass Tüftels Erfindungen einen unerwarteten Verlauf genommen hatten.
Zumindest dachten das die zwei Bunnies. Aber die Frage: »Was tut ihr?«, von Knarzia, die sich nicht einmal umgedreht hatte, war eindeutig an sie gerichtet.
»Wir? Äh … wir haben nur … äh …«, versuchte Fizzle zu antworten.
»Falls du fällst, dann wollten wir dich auffangen«, kam ihm Mumpitz zu Hilfe.
Fizzle sagte nichts mehr, denn sehr zu seiner Verwunderung machte die Antwort von Mumpitz sogar Sinn.
»Ich falle schon nicht«, sagte Knarzia. »Stellt euch bitte neben mich. Damit ich euch im Auge habe.«
»Kannst du denn uns beide gleichzeitig im Auge haben?«, fragte Fizzle.
»Ich bin ja auch noch da«, erklang die Stimme von Madame Mampf.
Sich in ihr Schicksal ergebend, stellten sich die Beiden also folgsam an Knarzias Seite.
»Nein, einer links, der andere rechts.«
Es dauerte ein paar Augenblick, da sich Fizzle und Mumpitz zunächst einmal nicht darauf einigen konnten, wer denn nun links und wer rechts stehen sollte.
Bis Knarzia ein Machtwort sprach: »Fizzle links, Mumpitz rechts. Das andere rechts, Mumpitz.«
Dann sagte sie, an Tüftel gewandt: »Na, dann los.«
Doch der Erfinder hob die Hände. »Moment, ich warte noch auf die Maschine.«
»Maschine?«, fragte die Kapitänin verwundert.
»Ja, die … ah, da kommt sie schon.«
Die Augen der anderen Bunnies weiteten sich erstaunt, als der riesenhafte Bunnie Ramulus in seiner Rüstung erschien und in einer Schubkarre ein rechteckiges Ding mit Ventilen, Dampfrohren und einem kleinen Schornstein vor sich herschob. Mühelos hob er es nach Tüftels Anweisung aus der Karre und stellte es auf der Straße ab.
»Danke, Ramulus. So, nun muss ich die Firlande nur noch anschließen und dann … na, ihr werdet schon sehen.«
»Das klingt wie eine Drohung«, sagte Fizzle.
»Ich glaube, wir werden mehr sehen, als uns lieb ist«, stimmte ihm Mumpitz zu.
»Pssst. Ruhe«, herrschte die Kapitänin die Beiden an.
Inzwischen hatten sich noch weitere Steambunnies aus Dampfholm auf der Straße eingefunden und warteten gespannt ab, was passieren würde.
Frau Fadennadel war in einem ganz neuen Kleid erschienen. Es war rot und an den Enden mit weißem Flaum benäht. Auf ihrem Kopf saß eine ebenso rote Mütze. Natürlich auf mit weißem Flaum umrundet.
Als sie bemerkte, wie die anderen sie musterten, sagte sie: »Ich habe davon geträumt. Ich weiß nicht, warum. Aber es sieht todschick aus, nicht wahr?«
»Ganz reizend, meine Liebe«, entgegnete Madame Mampf.
Tüftel hatte in der Zwischenzeit die Firlande an die Apparatur angeschlossen, sah nun in die Menge und sagte feierlich: »Und nun … werde ich sie einschalten.«
Unmerklich für ihn waren die anderen Bunnies genau in diesem Moment etwa fünf Schritte zurückgetreten.
Nun Ramulus nicht. Dieser stand unbeweglich und wie ein Fels in der Brandung direkt neben der Maschine.
Dann erklang ein leises ›Klick‹, was sich aber in der Stille wie ein Pistolenschuss anhörte.
Erst tat sich nichts. Dann machte es ›Puff‹ und ein kleines Wölkchen trat aus dem Schornstein der Maschine hervor.
Tüftel machte ein nachdenkliches Gesicht und beugte sich zu der Apparatur herab. Er drehte an einem Ventil, dann an einem anderen. Dann kratzte er sich nachdenklich am Kinn und gab der Maschine schließlich einen beherzten Tritt.
Aber noch immer tat sich nichts.
»Soll ich vielleicht?«, fragte Ramulus hilfsbereit.
Doch Tüftel hob beschwichtigend die Hände und sagte: »Bitte nicht. Wenn ich die Maschine verschrotten möchte, dann komme ich gerne noch einmal auf dein Angebot zurück.«
»Wie du meinst«, sagte Ramulus und zeigte keinerlei Anzeichen, dass er beleidigt gewesen wäre. Und, im Vertrauen, das war er auch nicht.
»Passiert da noch was?«, fragte Mumpitz laut und Fizzle sagte leise: »Hoffentlich nicht.«
Tüftel sah die Beiden tadelnd an, die nur mit den Schultern zuckten.
Und genau in diesem Moment schien die Maschine zum Leben erwacht zu sein. Erst blubberte es nur kurz, dann aber zischte sie, die Wölkchen begannen, in einem fast gleichmäßigen Rhythmus aus dem Schornstein hervorzutreten und im Inneren schien ein Antrieb in Gang gekommen zu sein.
Sicher konnte man da aber nie sein, denn der Erfinder zeigte das Innenleben seiner Erfindungen erstaunlich selten. Aber das war wahrscheinlich besser so.
Und nun tat sich auch etwas an der Firlande. Scheinbar schien eine Art Flüssigkeit in diese hineinzulaufen, bis sie komplett gefüllt war.
Und dann … leuchtete sie auf. Erst rot, dann blau, wieder grün, gelb … und nicht nur das, sie veränderte ihre Farbe nun auch so, dass ein Teil rot, ein anderes blau, und wieder eine andere Art in orange erschien.
»Sie funktioniert! Sie funktioniert!«, rief Tüftel und irgendwie hörte er sich überrascht an.
»Ah!«, und »Oh!«, machten die Bunnies auf der Straße.
»Und nun?«, fragte die Kapitänin nun. »Was machen wie jetzt mit dieser Firlande?«
Schlagartig wurde es still. Keiner wusste eine Antwort. Und selbst Tüftel sah bei dieser Frage ratlos aus. »Ja«, sagte er, »das … äh … nun …«
»Damit schmückt ihr eure Häuser und die Straßen«, ertönte nun eine Stimme, die man eher selten in Dampfholm vernahm.
»Tacker?«, fragte die Kapitänin überrascht. »Wann bist du denn hergekommen?«
»Kapitänin Knarzia, Madame Mampf, Herr Braxus«, sagte der Neuankömmling und verbeugte sich kurz. »Ich grüße den Rat der Steambunnies.«
»Ja ja, schon recht«, gab Madame Mampf kurz zurück. »Was meinst du damit, wie sollen unsere Häuser damit schmücken?«
Der Uhrwerksmeister sah die Köchin lächelnd an. »Ich bewundere immer wieder ihr Geschick, mit einfachen Worten auf die eigentliche Frage zurückzukommen.«
»Geschenkt. Beantworte lieber meine Frage, Tacker.«
»Wie ihr wünscht, Madame. Die Weihnachtszeit ist da. Und genau dafür schmückt man seine Häuser, stellt einen Weihnachtsbaum auf, backe Kekse und Naschereien …«
»Wir sind dafür«, riefen Fizzle und Mumpitz gleichzeitig und fingen sich einen tadelnden Blick der Kapitänin ein.
»Was … ist Weihnachtszeit?«, fragte sie dann verwirrt.
»Ja lest ihr denn nicht? Das steht doch alles in den Büchern in der Bibliothek«, antwortete Tacker und schien etwas verstimmt zu sein.
»Dafür haben wie Ebbi«, antwortete Madame Mampf. »Und diese gibt uns alle relevanten Informationen wieder. Oder woher, denkt ihr, habe ich die ganzen tollen Rezepte?«
»Ebbi, ja, natürlich. Aber Ebbi ist ein Bunnie. Die kann auch nicht alle Bücher gelesen haben. Aber mir scheint, sie liest gerade ein Buch über Weihnachten.«
»Warum sollte sie das tun?«, fragte nun die Kapitänin. »Und warum genau jetzt?«
Tacker sah die Kapitänin musternd an. Dann antwortete er: »Ebbi ist die Bibliothekarin.«
Braxus Maschine auf seiner Brust leuchtete grün auf. Tacker schien es bemerkt zu haben, denn er redete weiter: »Euer Baumeister hat euch alle für einen bestimmten Zweck gebaut. Und der von Ebbi ist es, das Wissen zu bewahren und weiterzugeben.«
»Euer Baumeister? Was meinst du damit?« Knarzia klang auf einmal misstrauisch.
Doch der Uhrwerksmeister konnte sie sofort beruhigen: »Verzeiht mir, Kapitänin. Ihr wisst, dass meine Entwicklung noch aus der alten Zeit stammt. Daher verwende ich gelegentlich …«
Er bemerkte den prüfenden Blick, den ihm die Kapitänin zuwarf und verbesserte sich sofort: »Na gut, oftmals verwende ich die Begriffe an falschen Stellen. Natürlich meine ich unseren Erfinder, den Professor.«
»Ja, das klingt schon viel besser«, stimmte ihm Knarzia zu.
»Lasst mich raten«, fuhr Tacker dann fort. »Ihr habt heute morgen alle so ein seltsames Gefühl verspürt, nicht wahr?«
Nachdenklich stimmten die anderen zu. Bis auf Fizzle und Mumpitz.
»Wir waren mit Fegen beschäftigt«, antwortete Fizzle.
»Und vorher wollten wir die Zuckermöhren stibitzen«, ergänzte Mumpitz.
Fizzle schlug sich mit der Hand an die Stirn. »Bist du doof? Wir wollten sie uns ausleihen. Hast du das vergessen?«
»Was? … Achso … ja, wir wollten sie uns nur ausleihen.«
Tacker grinste, doch Madame Mampf grinste nicht. Sie sah die Beiden eher ärgerlich an. Fizzle und Mumpitz zeigten ihr das Ehrenwort-Zeichen.
Doch schnell war das vergessen, als Tacker in seiner Erklärung fortfuhr: »Das ist eine Besonderheit von Ebbi. Sie kann euch das Wissen auch dann vermitteln, wenn ihr gar nicht bei ihr seid.«
Und nun schaltete sich zum ersten Mal Altmeister Braxus in das Gespräch ein.
»Ich kann in keinen Aufzeichnung, die ich gespeichert habe, etwas darüber finden. Woher kommt dein angebliches Wissen, Uhrwerksmeister?«
»Altmeister Braxus, ihr wisst, dass ich die Wahrheit sage, oder nicht? Eure Maschine beweist es.«
Der Altmeister und auch die anderen Bunnies sahen das kleine Kästchen an, welches vor seiner Brust hing. Das Kontrolllämpchen leuchtete grün.
»Ja, das wohl, aber …«, sagte der Altmeister, wurde allerdings von Tacker unterbrochen:
»Wahrscheinlich ist Ebbi noch nicht dazu gekommen, dieses spezielle Buch zu lesen. Und wenn ihr es nicht selbst getan hat, dann kannst du davon auch nichts wissen.«
»Und … wie funktioniert das?«, fragte Kapitänin Knarzia.
Tacker schwieg einen Moment, als wenn er sich seine Antwort genau überlegen müsste.
»Nun«, sagte er schließlich, »das ist ein … altes Verfahren und wenn der Professor es gut übernommen hat, dann sollte es auf jeden Fall funktionieren.«
»Ja, aber wie?«
»Das ist sehr kompliziert. Du solltest Ebbi bitten, das Buch zu lesen.«
»Ich könnte es auch selbst lesen!« Knarzias Stimme hörte sich trotzig an.
Doch Tacker ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen. »Das könntest du tun, ja.«
Die Stimmung war nahe dran, zu kippen, als sich auf einmal Dampfpfötchen einmischte, sich in die Luft erhob und laut rief: »Was ist denn nun diese Weihnachtszeit?«
Alle schauten zu ihm hoch und langsam ließ er sich wieder sinken. »Tschuldigung. Ich wollte das nur endlich wissen.«
Tacker lachte und sagte dann: »Na schön, wenn ihr nicht warten könnt, bis Ebbi alles gelesen hat, dann erkläre ich es euch. Weihnachten ist ein Brauch aus der Menschenwelt. Es findet immer im Dezember statt. Man schmückt seine Häuser mit Tannengrün und Lichtern, stellt einen Weihnachtsbaum und ist immer besonders freundlich zu einander.«
»Habt ihr gehört? Besonders freundlich zu einander«, sagte Madame Mampf und hatte sich dabei demonstrativ zu Fizzle und Mumpitz gedreht.
»Als wenn wir nicht freundlich sein können«, antwortete Fizzle und fing sich sofort einen Konter von Madame Mampf ein:
»Können, ja.«
Fizzle unterdrückte dein Impuls, der Köchin die Zunge herauszustrecken. Mumpitz war da nicht so diplomatisch, denn er sagte:
»Pah!«
»Freundlich, Mumpitz«, ermahnte ihn sein Freund.
»Pah, Madame Mampf«, berichtigte sich Mumpitz.
»Oh, und der Weihnachtsmann kommt«, sagte nun wieder Tacker.
»Der Weihnachtsmann? Wer ist das?«, wollte Dampfpfötchen wissen.
Tacker sah ihn an und erhob feierlich seine Stimme: »Der Weihnachtsmann ist schon viele hundert Jahre alt. Und er kommt auf die Erde, um den vielen Kindern Geschenke zu bringen.«
»Oh, Geschenke«, jubelte Fizzle.
»Aber nur den Kindern«, bremste Mumpitz die Energie seines Freundes.
»Wir verkleiden uns eben als Kinder«, entgegnete Fizzle.
»Das wird nicht funktionieren«, sagte Tacker. »Er weiß, wer ein Kind ist. Aber euch beide, nun … vielleicht erkennt er euer kindliches Gemüt.« Und wieder lachte er. Und diesmal schalteten sich auch die anderen Bunnies ein.
»Kindliches Gemüt? Was meint er damit?«, fragte Mumpitz.
Fizzle zuckte mit den Schultern.
»Aber eine Warnung, ihr Zwei … der Weihnachtsmann beschenkt nur brave Kinder«, sagte Tacker.
»Und die anderen kriegen nix?«, fragte Fizzle.
»Doch, die kriegen eine tüchtige Tracht Prügel«, antwortete der Uhrwerksmeister.
»Ich sehe ganz schwarz für euch«, mischte sich Madame Mampf ein.
Und, sie mussten es sich eingestehen, auch den Beiden wurde etwas flau im Magen. Aber Fizzle und Mumpitz wären nicht Fizzle und Mumpitz, wenn sie nicht sofort eine andere Taktik eingeschlagen hätten.
»Pah, den hauen wir grün und blau, den Weihnachtsmann, wenn der sich unbedingt mit uns prügeln will!«
Und Mumpitz ergänzte: »Dürfen wir den Besen und den Handfeger ausleihen, bis der Weihnachtsmann wieder weg ist?«
Madame Mampf verdrehte die Augen und Kapitänin Knarzia sagte nur: »Bei euch ist Hopfen und Malz verloren.«
»Trägt man zu Weihnachten solche Kleider?«, fragte Frau Fadennadel unvermittelt.
»Nicht jeder«, antwortete Tacker. »Aber man trägt sehr schicke Kleidung, ja.«
»Dann mache ich mich gleich ans Werk«, entgegnete sie und verschwand schnellen Schrittes in ihre Schneiderwerkstatt.
»Du, Ramulus, hilfst du mir einen Tannenbaum suchen?«, fragte Dampfpfötchen den Riesenbunnie.
»Wo sollen wir den denn herbekommen?«, fragte der Ritter zurück.
»In den Wäldern in der Oberwelt«, sagte Tacker leichtfertig.
»Kapitänin?«, wendete sich Ramulus an Knarzia.
»Was?«
»Oberwelt?«
»Ach. Na, wenn es notwendig ist. Aber du bist mir dafür verantwortlich, dass euch beiden nichts passiert. Ist das klar?«
Der Hüne schlug die Hacken zusammen und setzte zu einem Salut an. »Jawohl, Kapitänin.« Dann stapfte er davon. Dampfpfötchen flog neben ihm … hinter ihm, vor ihm, über ihm her.
Und so bereitete sich Dampfholm auf das Weihnachtsfest vor.
Dampfpfötchen und Ramulus hatten wirklich einen riesigen Tannenbaum mitgebracht und dieser wurde feierlich auf dem großen Marktplatz aufgestellt und mit einer kleinen Firlande und allerlei Weihnachtsschmuck behangen.
Tüftel übergab seine Firlande an Lotti, das kleine Bunnymädchen. Und gemeinsam mit vielen anderen Bunnies brachten sie bald ganz Dampfholm zum Leuchten.
Madame Mampf backte und kochte wie eine Verrückte in ihrer Küche und nach einiger Zeit stapelten sich Zuckermöhren, duftende Knirpskekse und allerlei andere Leckereien bis zur Decke.
Fizzle und Mumpitz hatten vom Bunnierat eine Sonderaufgabe bekommen. Sie überbrachten Herrn Flatter, Dampfrich, dem Drachen und sogar Gringu, dem Frosttroll eine Einladung zum Weihnachtsfest.
Die Nox hatten aber leider abgelehnt, da sie selbst Weihnachten feiern würden.
Nur der selbstgebaute Boxring, den Fizzle und Mumpitz feierlich auf den Marktplatz stellen wollten, der wurde ihnen vom Bunnierat verboten. Und zwar mit Nachdruck!
Ob auch der Weihnachtsmann vorbeikam? Nun, das erzähle ich vielleicht an einer anderen Stelle.
Ende
Ende